Aus Alt mach Art: Elisa Greenwood schweißt, hämmert und nietet Kurioses zu Kunst
Die Werkstatt von Elisa Greenwood ist ein Reich der Millionen Dinge. Und zwischen rostigen Fundstücken und vergessenen Gegenständen entstehen die Kunstwerke der Wiener Neustädter Trash-Künstlerin – eigenwillig und unverkennbar. Wir haben sie in ihrem bunten Reich im Zehnerviertel besucht.
Was macht man mit einem alten Medizinkästchen, einer Schurschere, Teilen eines Stethoskops und zwei Pfeifenköpfen? „Wegschmeißen”, würden wohl die meisten sagen. „Eine Skulptur”, sagt die Wiener Neustädter Objektkünstlerin Elisa Greenwood. Sie wertschätzt das scheinbar Wertlose und formt aus altem Eisen, verwittertem Holz und nutzlos gewordenen Alltagsgegenständen Kunstwerke.
„Ich liebe es, hinzuschauen, zu erkennen, wertzuschätzen, zu kreieren und aufzuzeigen. Meine Kunst ist auch eine Art Rebellion – gegen das Wegwerfen, das Geringschätzen, die Ignoranz”, schreibt Elisa Greenwood in ihrem neu erschienen Buch „Dialog der Dinge”. Die Trash-Künstlerin schaut immer genau hin und für sie ist die ganze Welt eine Schatzkiste – ob Schrottplatz, Wald, Flohmarkt oder ein verlassenes Haus. Sie beherrscht es, aus Nichts Kunst zu machen. Ihr Stil – eigenwillig, ihre Handschrift – unverkennbar.
Zum 70er schenkte sich Elisa Greenwood ihr erstes Buch: „Dialog der Dinge” mit Werken und Statements aus Politik, Kunst, Familie und Freundeskreis. Erhältlich ist das Buch direkt bei ihr und in den Wiener Neustädter Buchhandlungen, der Reinerlös geht an das Magazin „Brennstoff”
In ihrer Werkstatt im Zehnerviertel schweißt, hämmert und nietet Elisa Greenwood – ihre handwerklichen Fähigkeiten hat sie sich autodidaktisch beigebracht. Und so wird aus einem Hufeisen und zwei verrosteten Harkenblättern die Skulptur „Marandjosef” und aus einer Tschinelle, einem Messerschleifer und einer Schaumkelle „Die Edle verkündet’s”.
Die Skulptur „Marandjosef” (links). Mit „Die Edle verkündet’s” (rechts) hat sich Elisa Greenwood für den Award „Weniger ist mehr” der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs beworben, wo sie auch Mitglied ist. Als Teil der Künstlervereinigung Wiener Neustadt ist sie auch regional stark verankert.
Die Werke von Elisa Greenwood gibt’s an vielen Orten zu bestaunen: Der Fensterrahmen „Dinge im Dialog” ziert etwa die Mittelschule für Wirtschaft und Technik in Wiener Neustadt. Und in der Neuklostergalerie gibt’s bis Ende Juli auch noch eine Ausstellung – zu besichtigen jeden Sonntag von 9 bis 12 Uhr oder nach Vereinbarung unter der Nummer 0664 44 58 592.
Der Fensterrahmen „Dinge im Dialog” in der Mittelschule für Wirtschaft und Technik
Elisa Greenwood – die eigentlich Grünwald heißt, hat vor rund 25 Jahren zu dieser Kunstform gefunden. Begonnen hat alles mit dem Restaurieren von Möbeln. Und der Upcycling-Gedanke findet sich in jeder Ecke von Haus, Garten und Werkstatt. „Das einzige Mobilar, das ich fertig in einem Geschäft gekauft habe, ist der Küchenblock”, schmunzelt sie. Hauptberuflich war sie 38 Jahre lang in beratender Funktion bei der ÖGK beschäftigt. „Ich habe gewissermaßen ein Doppelleben geführt”, lacht sie. „Als Frau Grünwald und als Künstlerin Greenwood. Den Namen Greenwood haben mir Menschen in Ghana gegeben, dort habe ich ein Sozialprojekt unterstützt. Mir hat der Name gefallen, drum hab ich ihn behalten.”
Soziale Themen sind ihr Zeit ihres Lebens schon ein Herzensanliegen und seit 16 Jahren ist Elisa Greenwood ehrenamtlich in der Hospizarbeit tätig. „Ich begleite Trauernde und Sterbende. Dabei habe ich gelernt, nichts vor mir herzuschieben. Für mich geht es im Leben darum, authentisch zu sein, Liebe zu geben und Dankbarkeit zu fühlen. Für mich ist der Tod ein Übergang in eine andere Dimension, die Veränderung der Form. Das spiegelt sich auch in meiner Kunst wieder, wenn man so will.” Frieden, Verbundenheit und Achtung vor dem Leben – diese Werte formt Elisa Greenwood dreidimensional. „Ich lade die Betrachter meiner Werke ein, über Liebe, Güte und Respekt nachzudenken, denn Kunst ist mehr als Schönheit, sie ist auch eine Sprache des Friedens.”
„Wenn irgendwo auf der Welt ein Bösendorfer gespielt wird, trägt er auch ein Stück Wiener Neustadt mit sich“, sagt Sabine Grubmüller. Und: „Sie dürfen ruhig ein bisschen stolz sein auf uns. Denn ein Bösendorfer ist auf der ganzen Welt bekannt, aber gebaut wird er nur hier.” Im Interview spricht die Bösendorfer-Geschäftsführerin über lebendige Tradition, die Verbundenheit zur Heimatstadt der berühmten Flügel und sie erzählt von der Faszination, wenn aus Handwerk Musik wird.
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