Vier Männer, tausende Geschichten: Eine Spurensuche im digitalen Gedächtnis unserer Stadt
Mehr als 12.000 historische Fotos, Dokumente und Erinnerungen lagern in der Topothek und ehrenamtliche Archivare widmen sich mit viel Leidenschaft der Geschichte unserer Stadt. Im Interview erzählen sie von den ersten Fotos, besonderen Fundstücken und ihrer Mission.
Die Topothek ist mehr als ein Fotoarchiv. Sie ist eine Zeitreise durch die Stadtgeschichte. Manfred Lechner, Erich Leutgeb, Mag. Franz Kampichler und Günter Wiesenhofer sind vier der sechs Archivare, die sich ehrenamtlich und in akribischer Kleinarbeit um das digitale und für jedermann zugängliche Gedächtnis unserer Stadt kümmern. Sie sammeln, digitalisieren und dokumentieren, ackern sich durch alte Bücher und wühlen sich durch Fotokisten. „Wir wollen, dass Erinnerungen nicht verloren gehen”, sagt Manfred Lechner, Gründungsmitglied der Wiener Neustädter Topothek, die eine der ersten Österreichs war. Und Franz Kampichler weiter: „Für viele werden hier Erzählungen unserer Eltern und Großeltern wieder lebendig. Man sieht auch die Veränderungen durch die Jahrzehnte und erlebt so manche Überraschung.”
Wie im Jahr 2016 alles begann – das waren die ersten Fotos in der Topothek:
In den 8 Jahren seit der Gründung hat sich eine Menge getan: Mehr als 12.000 Bilder lagern mittlerweile in der Topothek. Darunter Plakate, Ansichtskarten, Zeitungsartikel und mehr. „Private, die zu Hause alte Fotoschätze haben, sind bei uns mehr als willkommen. Wir scannen alles ein und geben es dann natürlich wieder zurück”, so Manfred Lechner. „Auch interessantes Material aus der Jetztzeit kommt in die Topothek, denn morgen ist heute auch schon gestern und Vergangenheit”, ergänzt Günter Wiesenhofer, der auch schon mehrere historische Bücher über Wiener Neustadt verfasst hat.
Das 12.000ste Bild war übrigens eine historische Darstellung des Privilegierten uniformierten Bürgerkorps, gerahmt mit Passepartout, und der Aufschrift in goldenen Buchstaben „750 Jahre Priv. unif. Bürgerkorps zu Wiener Neustadt“.
Wenn man durch die Topothek schmökert, findet man Überraschungen, Erinnerungen und vieles, das kaum einer weiß. Von der Hochzeit von Niki Lauda am Alten Rathaus über ein „Steyr-Baby“, das nach einem Bombenangriff auf einem Hausdach gelandet ist, bis zu einem Foto von der Erlöserkirche, als die Bahn noch durchs Zehnerviertel verlaufen ist. „In unserer modernen Zeit wird alles weggeworfen, wir machen das Gegenteil”, sagt Erich Leutgeb.
„Bürgermeister Schneeberger hat damals Franz Pinczolits und mich gebeten, die Topothek zu gründen. Aus zwei Ehrenamtlichen wurden sechs und es macht immer noch Spaß”, erzählt Manfred Lechner. Das Material wird stets im Team gesichtet, dann wird entschieden. Wenn ein Foto aufgenommen wird, dann muss es gescannt, bearbeitet und zugeschnitten und mit den relevanten Infos versehen werden. Jede Menge Arbeit für die Archivare, die allesamt schon in Pension sind. Aktuell warten gerade noch 1.000 Fotos auf eine Freigabe. Aber: Alle lieben ihr Hobby und ihre Stadt.
Bei der Frage nach dem schönsten Ort – durch die Jahrzehnte hindurch – sind sie sich einig: Der Stadtpark mit seiner mittlerweile 154 Jahre alten Geschichte und Tradition. „Ich bin mit dem Franzl Buch aufgewachsen und habe daraus schon als Kind gelernt, dass Wiener Neustadt schön ist. Nörgler frage ich immer, warum so viele Wiener zu uns ziehen. Weil es leistbar ist und wir hier eine gute Lebensqualität haben”, so Manfred Lechner.
Manfred Lechner und Günter Wiesenhofer
Mag. Franz Kampichler und Erich Leutgeb (v.l.)
Das Team trifft sich jeden Mittwoch von 13 bis 16 Uhr im Stadtarchiv zur Besprechung. Interessierte – die eigenes Material sichten lassen oder mitarbeiten möchten – sind willkommen, einfach vorbeizuschauen. Kontaktmöglichkeit gibt’s aber auch per Mail unter stadtarchiv@wiener-neustadt.at.
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